Schleswig-Holstein
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Jahresbilanz 2019

Pressemitteilung  Jahresbilanz 2019

Opferhilfe ist eine wichtige Aufgabe für Zivilgesellschaft und Staat. Der WEISSE RING bietet dem Land engen Schulterschluss an

Im Jahr 2019 haben die 174 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WEISSEN RING Schleswig-Holstein wieder rund 27.000 Stunden aktive Opferarbeit geleistet.
1.508 Menschen haben sich an den WEISSEN RING gewandt, nachdem sie Opfer einer Straftat geworden sind. Gegenüber dem Jahr 2018 ist das ist ein Rückgang um 85 Fälle. 

„Auch im Jahr 2019 haben die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WEISSEN RING den Opfern von Kriminalität in Schleswig-Holstein mit unermüdlichem Einsatz hilfreich und einfühlsam zur Seite gestanden. Das verdient große Anerkennung! Der Rückgang der Fallzahlen mag zunächst erfreulich klingen. Einen Rückschluss auf eine gesunkene Zahl von Opfern lässt er aber leider nicht zu. Umso wichtiger ist es, die Arbeit des WEISSEN RINGS immer wieder im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, damit möglichst viele Betroffene den Weg zu uns finden“, sagt Landesvorsitzende Manuela Söller-Winkler.

In den meisten Fällen sind die Betroffenen Opfer von Körperverletzungen (26%) und Sexualdelikten (25%) geworden. Nach wie vor sind ca. 75% der vom WEISSEN RING betreuten Opfer Frauen.

An dritter Stelle der Statistik stehen Stalkingdelikte mit 8%. Das ist ein starker Anstieg gegenüber 2018 (unter 1%). Dieses Delikt ist außerordentlich schwer nachweisbar und die Dunkelziffer dürfte entsprechend hoch sein. Um hier mehr Opfern helfen zu können, hat der WEISSE RING die No Stalk App entwickelt, die kostenfrei heruntergeladen werden kann. Mit ihr können Betroffene Stalking beweissicher dokumentieren und so eine frühzeitige Gefährderansprache durch die Polizei ebenso wie eine strafrechtliche Verfolgung erreichen.

Ein essentieller Bestandteil der Arbeit bleibt weiterhin die Präventionsarbeit. Im vergangenen Jahr galt das Augenmerk des WEISSEN RINGS vor allem dem Enkeltrick und dem „falschen Polizisten“.

Darüber hinaus gibt der WEISSE RING Kriminalitätsopfern eine vernehmbare Stimme. Er setzt sich für eine bestmögliche Ausgestaltung und Wahrung ihrer Rechte in der Rechtsetzung und in der Rechtsanwendung ein.

So hat sich der WEISSE RING im vergangenen Jahr erfolgreich für eine Neuordnung des Opferentschädigungsgesetzes stark gemacht, die den Belangen von Opfern umfassender Rechnung trägt. Erfreulicher Weise haben in dem neuen Gesetz viele Forderungen des WEISSEN RINGS Berücksichtigung gefunden. Nun gilt es, dafür Sorge zu tragen, dass auch in der praktischen Umsetzung das Leid und die Not der Opfer im Vordergrund stehen und notwendige staatliche Hilfen nicht an bürokratischen Hürden und unzumutbaren Anforderungen an die Opfer scheitern.

Es ist eine Kernaufgabe des Staates, seine Bürgerinnen und Bürger vor Gewalt zu schützen. Soweit ihm das nicht gelingt, hat er zumindest eine Fürsorgepflicht gegenüber den Betroffenen. Staat und Zivilgesellschaft sind gleichermaßen gefordert, ein dichtes und tragfähiges Netz zu schaffen, das Opfern von Kriminalität Hilfe und Unterstützung bietet.

In diesem Sinne ist es ein gutes Signal, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle zur schnellen und unbürokratischen Unterstützung aller Opfer von Straftaten und ihren Angehörigen plant.

„Nun kommt es darauf an, dass das Land seine Strukturen eng mit denen der zivilgesellschaftlichen Hilfeorganisationen abstimmt, um den Aufbau von Parallelstrukturen zu vermeiden. Mit seiner über 40jährigen Erfahrung in der Opferhilfe bietet der WEISSE RING Schleswig-Holstein der Landesregierung hierbei gerne seine Unterstützung an. Ich freue mich, wenn wir gemeinsam, im engen Schulterschluss, unsere Kompetenzen bestmöglich verzahnen und so das Netzwerk noch dichter und tragfähiger machen – für die Opfer von Kriminalität, die die Unterstützung und den Rückhalt von Zivilgesellschaft und Staat benötigen“, so Manuela Söller-Winkler.

Zahlen, Daten, Fakten im Detail:

Den 1.508 Maßnahmen der Opferbetreuung liegen folgende Delikte zugrunde:

Die relativ hohe Zahl der Körperverletzungsdelikte wird geprägt durch häusliche Gewalt, die hinter geschlossenen Türen stattfindet und sehr häufig nicht bei der Polizei angezeigt wird. Hier hilft der WEISSE RING durch intensive Betreuung der Opfer auch über einen längeren Zeitraum. Der Verein ermöglicht eine anwaltliche Beratung und hilft auch bei einem Wechsel der wohnlichen Verhältnisse.

Unter „Sonstiges“ werden insbesondere Fälle erfasst, in denen sich Menschen beim WEISSEN RING melden, die ihren Namen nicht nennen möchten oder die diverse Rechtsstreitigkeiten ausfechten. Ihnen erteilt der WEISSE RING im Rahmen seiner Möglichkeiten Auskunft, wer im Einzelfall konkrete Hilfe leisten kann.

Die Zahlen zum Betrug sind konstant hoch geblieben (Vorjahr: 81 Fälle). Hier handelt es sich überwiegend um Varianten des Enkeltricks und des „falschen Polizisten“, denen meistens ältere Menschen zum Opfer fallen.

Die Aufschlüsselung der Opferfälle auf die 16 Außenstellen stellt sich folgendermaßen dar:

Finanzielle Unterstützung hat der WEISSE RING Schleswig-Holstein im Jahr 2019 in Höhe von 247.056,00 € (2018: 241.506 €) für unterschiedliche Hilfen geleistet. Dieses Geld wurde beispielsweise aufgewendet für die Ausgabe von Hilfeschecks für eine anwaltliche oder traumatologische Erstberatung, finanzielle Unterstützung bei Umzügen oder Neuanschaffungen, Tatortreinigung oder die Finanzierung von Erholungsmaßnahmen.