Schleswig-Holstein
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Pressemitteilung Jahresbilanz 2020

Auch in schwieriger Zeit gilt: Der WEISSE RING steht fest an der Seite der Opfer von Kriminalität!

Trotz Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen ist es den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im WEISSEN RING mit großem persönlichem Einsatz, Kreativität und nicht zu erschütternder Zuversicht auch im vergangenen Jahr gelungen, hilfesuchende Opfer von Kriminalität bestmöglich zu unterstützen.

„Vieles ist unsicher im Moment. Eines aber ist sicher: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WEISSEN RINGS stehen auch in schwierigen Zeiten fest an der Seite der Opfer von Kriminalität“, so die Landesvorsitzende Manuela Söller-Winkler.

Die rund 180 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im WEISSEN RING Schleswig-Holstein haben 2020 wieder rund 16.730 Stunden aktive Opferarbeit geleistet. 1.488 Menschen haben sich an den WEISSEN RING gewandt, nachdem sie Opfer einer Straftat geworden sind. Gegenüber dem Jahr 2019 ist das nur ein leichter Rückgang um 20 Fälle.

Wie in den Vorjahren sind die Betroffenen in den meisten Fällen Opfer von Körperverletzungen (27%) und Sexualdelikten (24%) geworden. Nach wie vor sind über 70% der vom WEISSEN RING betreuten Opfer Frauen und Mädchen. Hiervon wiederum ist ein großer Teil Opfer eines sexuellen Gewaltdelikts oder von häuslicher Gewalt.

Gerade in diesen Zeiten häuslicher Isolation, häufig einhergehend mit zunehmender wirtschaftlicher und psychischer Belastung, besteht die Sorge eines weiteren Anstiegs häuslicher Gewalt. Zugleich sind die Hürden, sich Hilfe zu suchen, gewachsen. Mit seiner bundesweiten Kampagne „Schweigen macht schutzlos – mach Dich laut“ hat der WEISSE RING an Betroffene appelliert, die bestehenden Hilfsangebote zu nutzen.  

„In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Isolation ist es besonders wichtig, Opfern von Kriminalität schnelle und einfache Wege zu einer bedarfsgerechten Unterstützung aufzuzeigen. Der WEISSE RING ist ein verlässlicher und professioneller Lotse im Netzwerk der Hilfe leistenden Institutionen und Organisationen“, sagte Söller-Winkler.

An dritter Stelle in der Statistik stehen auch in diesem Jahr die Stalkingdelikte mit weiterhin steigender Tendenz. Waren es im Jahr 2018 noch unter 1% der Fälle, sind es inzwischen bereits 11%. Dieses Delikt ist außerordentlich schwer nachweisbar und die Dunkelziffer dürfte entsprechend hoch sein.

Um hier mehr Opfern helfen zu können, hat der WEISSE RING die NO STALK-App entwickelt. Sie kann kostenfrei heruntergeladen werden. Mit ihr können Betroffene Stalking in jeder Situation beweissicher dokumentieren. Das ermöglicht der Polizei eine frühzeitige Intervention durch eine sogenannte Gefährderansprache und erleichtert die strafrechtliche Verfolgung der Tat.

Ein essentieller Bestandteil der Arbeit des WEISSEN RINGS bleibt weiterhin die Prävention. Im vergangenen Jahr standen Präventionstipps zu Corona-Betrugsmaschen im Vordergrund:

„Mit Corona haben Betrüger eine neue, besonders perfide Spielwiese für den Enkeltrick, für Adressenklau am Telefon, für unseriöse Internet-Angebote zum Beispiel für Online-Nachhilfe oder angeblichen Home-Office-Support oder für Abzocke mit angeblichen Corona-Gesundheitsprodukten bis hin zu „Impfstoff-Paketen“ gefunden. Hier gibt der WEISSE RING Hilfestellung, wie die Maschen von solchen Betrügern zu erkennen sind und was im Schadensfall getan werden kann“, so Söller-Winkler.

Der WEISSE RING Schleswig- Holstein ist erreichbar:

Vor Ort in 16 Außenstellen

Opfer-Telefon: 116 006 (bundesweit, kostenfrei)

Onlineberatung: www.weisser-ring.de

Hintergrund

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von über 3.000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelfern in bundesweit mehr als 400 Außenstellen. Der WEISSE RING hat über 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keinerlei staatliche Mittel.

Daten-Zahlen-Fakten

Den 1.488 Fällen in der Opferbetreuung im Jahr 2020 liegen folgende Delikte zugrunde:

Prozentuale Vergleichszahlen aus 2019 (1508 Fälle in der Opferbetreuung):

Körperverletzung: 26%                      Sexualdelikte: 25%                            Stalking: 8%

Bedrohung: 7%                                  Betrug: 6%                                         Diebstahl: 6%

Einbruch: 5%                                     Tötungsdelikt: 4%                              Raub: 4%

Mobbing: 2%                                      Sonstiges: 7%

Auch im Jahr 2020 beinhalten die Körperverletzungsdelikte eine hohe Zahl häuslicher Gewalt (194 Fälle), die hinter geschlossenen Türen stattfindet und sehr häufig nicht bei der Polizei angezeigt wird.

Hier hilft der WEISSE RING durch intensive Betreuung der Opfer auch über einen längeren Zeitraum. Der Verein ermöglicht bei Bedarf eine anwaltliche und eine psychotraumatologische Erstberatung und hilft auch bei einem Wechsel der wohnlichen Verhältnisse.

Unter „Sonstiges“ werden insbesondere Fälle erfasst, in denen sich Menschen beim WEISSEN RING melden, die ihren Namen nicht nennen möchten oder diverse Rechtsstreitigkeiten ausfechten. Ihnen erteilt der WEISSE RING im Rahmen seiner Möglichkeiten Auskunft, wer im Einzelfall konkrete Hilfe leisten kann.

Finanzielle Unterstützung


2020 hat der WEISSE RING Schleswig-Holstein Unterstützung in Höhe von 227.898,00 € (2019: 247.056,00 €) für unterschiedliche Hilfen geleistet. Dieses Geld wurde beispielsweise aufgewendet für die Ausgabe von Hilfeschecks für eine anwaltliche oder traumatologische Erstberatung, finanzielle Unterstützung bei Umzügen oder Neuanschaffungen, Tatortreinigung oder die Finanzierung von Erholungsmaßnahmen.